Vertrauen und Vergeben

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Warum vertrauen wir in der digitalen Welt oft blind und vergeben bei Missbrauch umso schneller?

Vertrauen in der reellen Welt zwischen Personen aufzubauen dauert seine Zeit. Bei manchen Personen geht dies schneller als bei anderen, aber es ist trotzdem keine Selbstverständlichkeit. Es gibt dabei ein paar grundsätzliche Regeln:

  1. Vertrauen ist nur durch Offenheit und Aufrichtigkeit möglich. Sie müssen miteinander reden, um Missverständnisse zu vermeiden.
  2. Durch gegenseitiges Interesse hören Sie einander zu, haben ein offenes Ohr und können Aussagen und Reaktionen richtig interpretieren.
  3. Wenn Sie Zeit miteinander verbringen, lernen Sie sich immer besser kennen, verstehen und wissen um die Gefühle des anderen.
  4. Alle Menschen sind anders und das gilt es zu verstehen, aber auch zu akzeptieren und als die jeweiligen Freiheiten des anderen zur respektieren. Die Schwächen des anderen gilt es nicht auszunutzen, sondern auszugleichen. Ebenso die Stärken sehen und gegenseitig fördern.
  5. Vertrauen schenken, um Vertrauten zu erhalten.

Vertrauen beruht immer auf Gegenseitigkeit! Der Austausch miteinander, schafft die Basis für einen vertrauensvollen Umgang. Sie können niemals Vertrauen erwarten, ohne auch selbst Vertrauen entgegenzubringen. Wenn Sie Vertrauen schenken, gibt es stets das Risiko, verletzt zu werden – für beide Seiten. Haben Sie Anlass dazu, an der Ehrlichkeit des Andern zu zweifeln oder bemerken Sie, dass Sie abweichende Vorstellungen von einer Beziehung haben, sollten Sie mit Ihrem Vertrauen zögerlich umgehen. Denken Sie darüber nach und reden Sie mit Ihrem Partner – eventuell wollen Sie die Beziehung beenden.

Dies ist in der reellen Welt, egal ob privat oder im geschäftlichen Kontext, selbstverständlich und kann jeder nachvollziehen bzw. bestätigen. Warum handeln wir dann aber in der virtuellen Welt nicht genauso? Vergleichen wir doch mal die oben aufgestellten Regeln damit:

  1. Warum werden die Klauseln „kleingedruckt“, oft versteckt oder so geschrieben, dass sie kaum einer versteht? Die Datenschutzgrundverordnung fordert eine einfache und verständliche Sprache, nur wer hält sich daran? Ist dies Offenheit und Aufrichtigkeit, wenn es unverständlich ist?
  2. Besteht das gegenseitige Interesse nur insofern, dass der Anwender Funktionalität erwartet und der Betreiber Gewinn erzielen möchte? Haben wir wirklich ein offenes Ohr füreinander?
  3. Wenn wir (Nutzungs-)Zeit miteinander verbringen, dann lernt der Betreiber Sie ganz gewiss besser kennen, denn es werden Unmengen an Daten von Ihnen gesammelt. Aus Ihrem Nutzungsverhalten werden Profile erstellt, um Sie noch besser zu verstehen. Ist dies gegenseitig? Wissen Sie davon?
  4. Insbesondere beim Technologieverständnis in der virtuellen Welt gibt es große Unterschiede und damit Stärken und Schwächen in unserer Gesellschaft. Anstatt die Starken die Schwächeren helfen, werden die Schwachstellen ausgenutzt. Die meisten können zwar die Technik nutzen, verstehen aber die Zusammenhänge nicht und merken nicht was mit ihnen bzw. dem erlangen Wissen um die Persönlichkeit jedes Einzelnen gemacht wird. Ist dies gegenseitige respektvolle Akzeptanz?
  5. Wir schenken Vertrauen in die virtuelle Welt, erhalten sie aber nicht zurück.

Wo ist die Gegenseitigkeit? Wie oft haben wir schon in den Medien nachlesen dürfen, was mit unseren Daten gemacht wird. Wie die gesammelten Informationen von uns verkauft werden. Wie gehackte Profile veröffentlicht werden. Wie wir mit Werbung manipuliert werden. Wie mit unserem Vertrauen andere Geld verdienen und dabei nicht einmal offen mit uns umgegangen wird.

Nicht nachvollziehbar ist allerdings, warum wir weiter machen als wäre nichts geschehen. Warum verwenden wir die gleichen Tools auch weiterhin, obwohl jedem klar ist wie vertrauensvoll mit unseren Daten umgegangen wird?

Wenn in der reellen Welt das zwischenmenschliche Vertrauen missbraucht wird, dann ist das Vertrauen meist sofort gebrochen. Mit einer guten Entschuldigung bekommt jemand vielleicht noch eine zweite Chance, aber spätestens danach halten wir uns fern, trennen uns und gehen getrennte Wege. In der virtuellen Welt ist dies anders…

Wenn uns in der reellen Welt jemand nach persönlichen Informationen fragt, dann fragen wir: „Warum wollen Sie das wissen?“ Bittet uns jemand nach unserem Personalausweis, dann zögern wir diesen zu zeigen. In der virtuellen Welt tragen wir ganz schnell mindestens unseren Namen, Mailadresse und Geburtsdatum irgendwo ein, um uns zu legitimieren. Kritisch hinterfragen wozu dies wirklich gebraucht wird, macht (fast) keiner…

Muss man das verstehen? Wir möchten Lösungen schaffen, die wieder wirkliches Vertrauen verdient. Sowohl in die Zwischenmenschlichkeit in der reellen Welt, als auch in eine sinnvolle Digitalisierung!

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